'Die Übertragungs-Falle'

DG Fachjournal: Psyche & Dynamik 

 Kompakte Analysen zur angewandten Psychodynamik  

verstehbar & lebensnah aufbereitet von Daniela V. Günter

Daniela V. Günter: Ihre Expertin für Persönlichkeitsentwicklung & systemisches Coaching in Berlin Alt-Tegel und Online.

Journalistische Klarheit trifft psychodynamische Tiefe

In meinem 'DG Fachjournal Psyche & Dynamik' lade ich Sie ein, hinter die Kulissen
des offensichtlichen Verhaltens zu schauen.

Als psychodynamisch orientierte psychologische Beraterin, systemische Coach und ausgebildete Journalistin ist es mir ein Anliegen, komplexe Zusammenhänge so zu vermitteln, dass sie zu Aha-Erlebnissen werden. Ein psychosozialer Eye-Opener, um sich selbst und andere tiefer zu verstehen.

Wagen Sie einen Tauchgang in die verborgene Logik der Psyche ↓

Übertragungsfalle lösen: Coaching für emotionale Freiheit & Souveränität. Daniela V. Günter Beratung Berlin & Online.

Die Übertragungs-Falle 

Aus der Übertragungsfalle in die emotionale Freiheit

 Warum wir Begegnungen (fast) nie persönlich nehmen können und wie die Kenntnis von Konfliktabwehrmechanismen wie Übertragung oder Projektion uns souveräner macht.


Kennen Sie das Gefühl, dass Konflikte mit Ihrem Umfeld eine Schärfe erreichen, die in keinem Verhältnis zum Anlass steht? Fühlen Sie sich manchmal unter Druck, weil Sie einem positiven Bild entsprechen wollen, das man von Ihnen hat? Hier erfahren Sie, warum zwischenmenschliche Begegnungen in den seltensten Fällen wirklich „persönlich“ sind – und warum diese Erkenntnis sowohl bei Kritik als auch bei Komplimenten befreiend wirkt.

Die Illusion der "persönlichen" Begegnung

In meiner Beratungspraxis begegne ich manchmal Menschen, die schwer an den Urteilen anderer tragen. Psychologisch betrachtet ist das meist haltlos, denn: Wenn wir einem Menschen begegnen, treffen wir auf ein bereits fertig geprägtes System.

Bevor Sie den Raum betreten haben, war die Persönlichkeit Ihres Gegenübers, seine Ängste, seine Urteile, seine Abwehrmechanismen und seine Art zu fühlen bereits geformt.
Was wir als persönlichen Angriff erleben, ist psychologisch betrachtet häufig eine Übertragung. Das Gegenüber reagiert nicht auf Sie als Individuum, sondern auf ein inneres Bild, auf eine grundsätzliche Vorstellung davon wie Beziehung abläuft. Basierend auf den Beziehungserfahrunge aus dem Elternhaus, die er nun auf Sie projiziert.

Beispiel: Die „kontrollierende Mutter“

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten mit einem Kollegen an einem Projekt. Sie merken, dass die Zeit knapp wird, und fragen ihn freundlich: „Könntest du mir bis morgen den Entwurf schicken, damit wir pünktlich fertig werden?“

Plötzlich reagiert Ihr Kollege extrem gereizt, wird defensiv oder zieht sich tagelang beleidigt zurück. Sie sind irritiert: War die Frage unhöflich? Nein.

Was im Hintergrund passiert ist: Ihr Kollege ist mit einer Mutter aufgewachsen, die ihn streng kontrolliert und ihm wenig vertraut hat. Jede Nachfrage war in seiner Kindheit ein Zeichen von Misstrauen und Bevormundung. Wenn Sie ihn heute um den Entwurf bitten, hört er nicht Ihre sachliche Frage. Er hört (unbewusst) die Stimme der Mutter, die ihm signalisiert: „Ich traue dir nicht zu, dass du es allein schaffst.“

In diesem Moment kämpft er nicht gegen Sie, sondern gegen das alte Gefühl der Ohnmacht gegenüber seiner Mutter. Sie sind in dieser Szene lediglich die „Leinwand“, auf die er sein altes Kindheitstrauma projiziert. Sein Ärger gilt nicht Ihnen als Person, sondern dem Schatten seiner Vergangenheit.

Die zwei Seiten der Übertragung

1. Kritik als Leinwand für den "Schatten": Jeder Mensch trägt eine innere Landkarte in sich. Wenn zum Beispiel Ihr Partner auf eine Bitte gereizt reagiert, antwortet er oft nicht Ihnen, sondern wehrt unbewusst die „fordernde Mutter“ oder den „strengen Vater“ von früher ab. Sie sind lediglich der Auslöser, nicht die Ursache seiner Struktur. Dass er in diesem Moment „so oder so“ reagiert, hat mit Ihnen wenig zu tun – es ist eher ein unbewusster Versuch, seine eigene Vergangenheit zu reinszenieren und so zu verarbeiten.

2. Lob als Projektionsfläche der Liebe: Der Mechanismus der Übertragung gilt interessanterweise auch für das Positive. Wenn uns jemand mit außergewöhnlicher Güte, Zugewandtheit oder Fürsorge begegnet, ist das ebenso wenig ursächlich unser „Verdienst“. Die Fähigkeit zu dieser liebevollen Behandlung hat das Gegenüber bereits mit in die Begegnung gebracht. Wir sind der wunderbare Anlass, bei dem er diese Seite zeigen kann, aber die Qualität dieser Liebe ist eine Eigenschaft seines Charakters.


Die Erkenntnis daraus: Wir müssen nicht „perfekt“ sein, damit jemand gütig zu uns ist – seine Güte ist Ausdruck seiner eigenen Reife.


Warum wir es trotzdem persönlich nehmen 

  • Bei Kritik: Es wird meist dann schmerzhaft, wenn die Projektion des anderen auf einen eigenen wunden Punkt trifft. Wir nehmen Kritik dann persönlich, wenn wir unbewusst glauben, das negative Bild des anderen könnte wahr sein. 


  • Bei Lob: Wir nehmen Komplimente oft nicht an, wenn wir glauben, sie nicht „erarbeitet“ oder verdient zu haben. Hier klaffen unsere innere Wahrheit und die Fremdwahrnehmung des anderen spürbar weit auseinander.


Wege zur emotionalen Freiheit

Wer unabhängig von den Wahrnehmungsbesonderheiten des anderen in der eigenen Souveränität bleiben will, muss die Verantwortung für die psychischen Erlebensweisen und Inhalte anderer dorthin zurückgeben, wo sie hingehören:

  • Differenzierung üben: Fragen Sie sich in Konflikten: "Was von dieser Reaktion gehört wirklich zu mir und was ist das soziale Erbe, das Sosein meines Gegenübers?"


  • "Lizenz zur Nicht-Zuständigkeit": Erkennen Sie an, dass die Reaktionsmuster des anderen bereits da waren, bevor Sie ihn kannten. Sie sind nicht das „Reparaturset“ für die Kindheitswunden oder die Projektionsfläche für die Ideale Ihres Gegenübers.


  • Dankbarkeit statt Stolz: Genießen Sie die Liebe und das Lob anderer als ein Geschenk ihrer Charakterstärke, statt es als Messgerät oder Beweis für Ihren eigenen Wert zu deuten. Das macht Begegnungen unbelasteter und ergebnisoffener: Die beste Voraussetzung für wahrhaft genießbare Momente echter Verbundenheit in Freiheit.
Sinnbild Übertragungsfalle: Psychologische Beratung und Coaching Daniela V. Günter Berlin Alt-Tegel hilft bei Projektionen.

Die Freiheit, nicht die Ursache sein zu müssen

Sich von der Annahme zu lösen, dass die Reaktionen unseres Gegenübers eine direkte Bewertung unseres Wertes sind, ist einer der befreiendsten und bahnbrechendsten Schritte in der persönlichen Entwicklung

Wenn wir tief verstehen, dass jeder Mensch mit einem bereits fertig geprägten "emotionalen Rucksack" in die Begegnung kommt, verändert sich unser Blickwinkel radikal:

Wir hören auf, gegen Windmühlen – also gegen die Schatten der Vergangenheit des anderen – zu kämpfen. Wir erkennen, dass sowohl die Härte eines unberechtigten Angriffs als auch der Liebreiz eines großen Kompliments primär Ausdruck der inneren Welt unseres Gegenübers sind.

Diese Sichtweise ist kein Rückzug aus der Beziehung, sondern der Beginn echter emotionaler Souveränität. Sie erlaubt uns, gelassener zu bleiben, Projektionen freundlich, aber bestimmt dort zu lassen, wo sie entstanden sind, und uns selbst und damit auch den anderen mit einer neuen Milde und Gelassenheit zu begegnen. 

Begegnung auf Augenhöhe beginnt dort, wo wir aufhören, die Verantwortung für die psychischen Prägungen des anderen zu tragen – und stattdessen die Freiheit wählen, einfach wir selbst zu sein – komme wer oder was wolle.

Verantwortungsvoll bleiben

Diese Erkenntnis ist kein Freifahrtschein für rücksichtsloses Verhalten. Sie bedeutet nicht, dass wir keine Verantwortung mehr für unser Handeln tragen. Vielmehr erlaubt sie uns, die heftige emotionale Ladung vom sachlichen Kern einer Situation zu trennen. Wir können so Verantwortung für unser tatsächliches Tun übernehmen, ohne uns von den ungeklärten Gefühlen des Gegenübers erdrücken zu lassen. 

Den Weg aus der Übertragungsfalle praktisch angehen?

Wenn Sie spüren, dass Sie bereit sind, alte Beziehungsdynamiken zu klären und Ihre emotionale Freiheit zurückzugewinnen, begleite ich Sie gerne persönlich. Passend zu diesem Thema empfehle ich Ihnen:


  • Gefühlsmanagement: Lernen Sie, Ihre emotionalen Reaktionen zu verstehen und souverän zu steuern.


Nutzen Sie auch gerne Ihr Orientierungsgespräch (für Sie kostenfrei), um herauszufinden, welcher Weg für Sie der richtige ist.

Quellen & Vertiefung

  • Sigmund Freud (1912): Zur Dynamik der Übertragung. (Das grundlegende Werk zur Entdeckung und Definition des Phänomens).
  • C.G. Jung (1946): Die Psychologie der Übertragung. (Erweiterte Sichtweise auf die Projektion von Schattenanteilen).
  • Stavros Mentzos (1982): Neurotische Konfliktverarbeitung. (Zur Vertiefung, wie alte Beziehungsmuster als „inneres Drehbuch“ aktuelle Begegnungen beeinflussen).
  • Joachim Bauer (2005): Warum ich fühle, was du fühlst. (Neurowissenschaftliche Hintergründe zur Resonanz und emotionalen Ansteckung).


Text und Redaktion: Daniela V. Günter


Bitte beachten Sie: Mein Angebot ist eine beratende psychologische Tätigkeit außerhalb der Heilkunde, Disclaimer hier lesen.