'Gelingende Partnerschaft'

DG Fachjournal: Psyche & Dynamik 

 Kompakte Analysen zur angewandten Psychodynamik  

verstehbar & lebensnah aufbereitet von Daniela V. Günter

Daniela V. Günter: Ihre Expertin für Persönlichkeitsentwicklung & systemisches Coaching in Berlin Alt-Tegel und Online.

Journalistische Klarheit trifft psychodynamische Tiefe

In meinem 'DG Fachjournal Psyche & Dynamik' lade ich Sie ein, hinter die Kulissen
des offensichtlichen Verhaltens zu schauen.

Als psychodynamisch orientierte psychologische Beraterin, systemische Coach und ausgebildete Journalistin ist es mir ein Anliegen, komplexe Zusammenhänge so zu vermitteln, dass sie zu Aha-Erlebnissen werden. Ein psychosozialer Eye-Opener, um sich selbst und andere tiefer zu verstehen.

Wagen Sie einen Tauchgang in die verborgene Logik der Psyche ↓

Partnerschaft stärken: Coaching für glückliche Beziehungen & Kommunikation. Daniela V. Günter Beratung Berlin & Online

Gelingende Partnerschaft 

 Ein Plädoyer für emotionale Reife in der 'Ghosting-Kultur' 

Haben Sie sich einmal überlegt, was das Ziel Ihrer angestrebten oder vorhandenen Partnerschaft ist? Wo soll die Reise hinführen? Erfahren Sie hier warum Verliebtheit für eine gelingende Partnerschaft nicht ausreicht und tragfähige Beziehungen tiefere und andere Wurzeln brauchen.


Die "Verliebtheitsphasen-Theorie"

In meiner psychologischen Beratungspraxis begegne ich immer wieder Menschen, deren Vorstellung von Glück in einer Beziehung, primär auf der Verliebtheitsphase basiert und mit deren Ende das Ziel einer Partnerschaft als nicht erreicht angesehen wird. Das ist ein gängiges, aber zu kurzsichtiges Modell. 

Die Verliebtheit ist ein wunderbarer, intensiver Zustand, der von starken Emotionen, Hormonen und einer idealisierten Wahrnehmung des anderen geprägt ist. Sie ist jedoch naturgemäß vergänglich.

Nicht selten bauen Beziehungen ausschließlich auf dieser anfänglichen Verliebtheit auf und tiefergehende Fundamente wie eine bereits unabhängig vom anderen vorhandene Lebenszufriedenheit und Selbstliebe beider Partner, Freundschaft zueinander, gemeinsame Werte, Respekt, Vertrauen sowie die Fähigkeit zur Bewältigung von Schwierigkeiten fehlen. Ist dies der Fall, ist es wahrscheinlich, dass die Beziehung mit dem Abklingen der Verliebtheit in eine Krise gerät oder zerbricht. 


Psychologisch fundierte Sichtweise auf eine gesunde Beziehungsbasis:

Ein gewisses Maß an innerer Reife, Selbstzufriedenheit und die Fähigkeit, Glück aus sich selbst heraus zu schöpfen, sind eine essenzielle Grundlage für eine funktionierende Partnerschaft:

  • Innere Stärke und Unabhängigkeit: Wenn beide Partner als Individuen gefestigt sind, bringen sie eine innere Stabilität und Unabhängigkeit in die Beziehung ein. Sie sind weniger abhängig vom Partner, um ihr eigenes Glück oder ihren Selbstwert zu definieren und brauchen weniger von ihm, um zufrieden oder glücklich zu sein.


  • Weniger Projektionen und unrealistische Erwartungen: Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, neigen weniger dazu, unbewusste Bedürfnisse oder unerfüllte Wünsche auf den Partner zu projizieren. Sie sehen den anderen realistischer und können ihn eher so akzeptieren, wie er ist.


  • Fähigkeit zur gesunden Abhängigkeit (Interdependenz): Eine reife Beziehung beinhaltet gleichzeitig eine gesunde Form der Abhängigkeit oder Interdependenz. Man unterstützt sich gegenseitig, teilt Freuden und Sorgen, ist füreinander da, aber ohne dass einer den anderen existenziell braucht, um glücklich zu sein.


  • Bessere Konfliktfähigkeit: Selbstzufriedene Menschen sind oft emotional stabiler und können Konflikte konstruktiver und sachlicher angehen, ohne sich sofort bedroht oder persönlich angegriffen zu fühlen.


  • Nachhaltiges Glück in der Partnerschaft: Das Glück in einer reifen Partnerschaft basiert nicht nur auf dem anfänglichen "Kribbeln", sondern auf tiefer Verbundenheit, gemeinsam erlebten Erfahrungen, gegenseitigem Wachstum und dem Wissen, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben. Dieses Glück ist oft ruhiger, aber dafür beständiger und erfüllender als die euphorische Verliebtheit.


Sollen Menschen in Partnerschaft gehen, wenn sie den anderen zum Glücklichsein brauchen?

Wenn die Hauptmotivation darin besteht, ein inneres Defizit zu füllen oder den anderen als "Glücksbringer" zu instrumentalisieren, ist die Wahrscheinlichkeit für eine ungesunde und letztendlich unglückliche Dynamik hoch.

  • Abhängigkeit schafft Unzufriedenheit: Eine Beziehung, in der einer oder beide Partner primär auf den anderen angewiesen sind, um sich vollständig oder glücklich zu fühlen, ist anfällig für Machtungleichgewichte und emotionale Erpressung.


  • Druck auf den Partner: Der Partner, der für das Glück des anderen verantwortlich gemacht wird, gerät unter enormen Druck. Er kann dieser Rolle auf Dauer nicht gerecht werden, was zu Enttäuschung und Frustration auf beiden Seiten führt.


  • Verhinderung von persönlichem Wachstum: Wer seine Energie darauf verwendet, im anderen das Glück zu suchen, vernachlässigt oft die eigene innere Arbeit und das persönliche Wachstum - ein Teufelskreis, da damit die Grundvorraussetzung für eine wirklich glückende Partnerschaft nie erreicht wird.


Es ist also wünschenswert und förderlich für eine gesunde und langfristig glückliche Partnerschaft, wenn beide Individuen ein gewisses Maß an innerer Stärke, Selbstliebe und Zufriedenheit mit sich selbst mitbringen.

Das bedeutet nicht, dass man perfekt oder vollkommen "fertig" sein muss, bevor man eine Beziehung eingeht. Persönliches Wachstum ist ein lebenslanger Prozess, und eine liebevolle Partnerschaft kann diesen Prozess sogar unterstützen.

Aber: Der grundlegende Wunsch nach einer Partnerschaft sollte nicht aus einem Gefühl der Leere oder der Notwendigkeit entspringen, vom anderen "gerettet" oder "glücklich gemacht" zu werden. Vielmehr sollte es der Wunsch sein, das eigene bereits vorhandene Glück und die eigene Fülle mit einem anderen Menschen zu teilen, gemeinsam zu wachsen und eine tiefe, erfüllende Verbindung einzugehen.


Fazit: 

Sich auf die Suche nach einer Partnerschaft zu begeben, während man noch stark von äußeren Faktoren (insbesondere einem potenziellen Partner) abhängig ist, um das eigene Glück zu definieren, birgt erhebliche Risiken für beide Beteiligten und die Stabilität der Beziehung. 


Es ist sinnvoller, zunächst an der eigenen inneren Basis zu arbeiten, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen und ein Fundament des Selbstwertgefühls und der Selbstzufriedenheit zu entwickeln. 


Aus dieser gefestigten Position heraus hat eine Partnerschaft eine deutlich höhere Chance, auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt und nachhaltigem Glück zu gedeihen.

Es ist wichtig, dass Menschen den Unterschied zwischen der anfänglichen Verliebtheit und der tieferen, reiferen Liebe verstehen und ihre Erwartungen an eine Partnerschaft entsprechend anpassen. 

Eine Beziehung ist kein Mittel zum Zweck, um das eigene Glück zu finden, sondern eine Bereicherung des bereits vorhandenen Glücks durch die Verbindung mit einem anderen liebenswerten Menschen.

Vom Wissen zum Erleben – meine Einladung an Sie

Möchten Sie das Thema für sich persönlich vertiefen? Die Entscheidung zwischen Festhalten und Loslassen gehört zu den schwierigsten emotionalen Prozessen.

Zwischenmenschliche Konflikte und festgefahrene Dynamiken lassen sich in einem geschützten Rahmen präziser betrachten. Gerne begleite ich Sie dabei, individuelle Klarheit über Ihre Beziehungsgestaltung zu gewinnen und neue Handlungsspielräume für Ihre Gegenwart und Zukunft zu erschließen.

Ihr Start:



Quellen & Vertiefung

  • John Gottman (1999): The Seven Principles for Making Marriage Work. 
  • Jürg Willi (1975): Die Zweierbeziehung. (Der Klassiker zur Psychodynamik des Paares und dem Konzept der „Kollusion“, das erklärt, warum Partner sich gegenseitig in Rollen festhalten).
  • Erich Fromm (1956): Die Kunst des Liebens. 
  • Sue Johnson (2008): Hold Me Tight. (Grundlagen der Emotionsfokussierten Paartherapie).
  • Hans-Werner Gessmann (2011): Systemische Paartherapie. 


Text und Redaktion: Daniela V. Günter

Bitte beachten Sie: Mein Angebot ist eine beratende psychologische Tätigkeit außerhalb der Heilkunde, Disclaimer hier lesen.